Business Reframing Institut

Vom Lebensstandard zur Lebensqualität

Business Reframing schafft die Grundlagen für das Management.

Autor: Wolfgang Berger

Vollständiger Artikel:

Prominentester Star im japanischen Showbusiness ist Kyoko Date. Sie ist 17 Jahre jung und sexy, perfekt gebaut und kerngesund, liebenswürdig und bescheiden, extrem tüchtig und unendlich geduldig. Trotz ihrer Allgegenwart in Videoclips, Radio und Femsehen hat sie keinerlei Starallüren oder Skandale. Ein amerikanisches Nachrichtenmagazin hat sie als "Die Traumfrau" bezeichnet. Auf CD-ROM und übers Internet sind ihre Schönheit und ihr Charme zu bewundern. Ihre erster Musiktitel "Love Communication" war auf Anhieb ein Hit. Zahlreiche Werbespots, eine TV-Show, ein Live-Konzert und Spielfilme mit dem Idealmädchen werden vorbereitet...

Kyoko Date

Kyoko hat uns normalen Erdbewohnern weitere Vorteile voraus: sie nascht gern Schokolade, bekommt aber keine Karies und wird nicht dick davon, sie ist äußerst belastbar und trotzdem nie gereizt und - sie wird nicht älter. Ihr Gesicht besteht aus 40 000 Bildpunkten. Fünfzehn Marktforscher, Künstler und Informatiker der Firma Horipro haben zwei Jahr hinter der getönten Glasfassade eines eleganten Wolkenkratzers im Tokyoter Stadtteil Meguro unter der Leitung von Yoshitaka Hori gearbeitet und das Mädchen im Computer zur Welt gebracht. Damit konnten sie auf Menschen übertragen, was die Ingenieure von Boeing mit dem Prototyp ihrer 777 erfolgreich vorgeführt haben: Konstruktionsplanung ohne Modell, ausschließlich am Rechner.

In dem Film "Twister" hat die Firma Industrial Light & Magic einen virtuellen Wirbelsturm geschaffen, der Staub und Wasser aufwirbelt, Häuser zertrümmert, Kühe und Tanklastwagen durch die Gegend fliegen läßt und den Zuschauer ins Zentrum der Zerstörung setzt. Ist Kyoko, ist die simulierte Flugzeugkonstruktion, ist der virtuelle Wirbelsturm keine Realität? Wodurch unterscheidet sich ihre Realität von dem Foto einer lebendigen 17jährigen, von der konventionellen Flugzeugkonstruktion und von den Filmaufnahmen eines irdischen Wirbelsturms?

Warum folgen wir mit unserer Arbeit dem biblischen Fluch und mühen uns "im Schweiße unseres Angesichtes" mit der "echten" Realität ab? In der virtuellen Realität könnten wir es soviel einfacher haben. Leiden wir vielleicht an Realitätsverlust, weil wir uns von der materiellen Realität noch nicht befreit haben? Was ist schon eine doch nie vollkommene Frau aus Fleisch und Blut gegen ein nach Männerträumen virtuell perfekt maßgeklontes "Digital Kid"! Schrecklich, diese Vertreibung aus dem Paradies. Oder leiden wir an Realitätsverlust, wenn wir diesen Befreiungsversuch wagen, uns über die materiellen Begrenzungen erheben und in eine virtuelle Welt begeben?

WIR DEFINIEREN UNSERE REALITÄT

Die Realität des Mittelalters hat auch Hexen und allerlei Spuk, Riesen und Zwerge, Elfen und Gnome, Geistwesen und Engel, sowie Himmel und Hölle im Jenseits eingeschlossen. Das "Jenseits" war eine Realität "jenseits" des von uns hier und jetzt unmittelbar Wahrnehmbaren. Die Physik Isaac Newtons hat Realität auf die Materie reduziert und damit nicht nur Glauben durch Wissen ersetzt. Sie hat auch die gedankliche Basis geschaffen für die Ablösung der Autorität der Kirche durch die Autorität der Wirtschaft.

Wo nur Materie real ist, können Institutionen, die sich mit einem nichtmateriellen Jenseits beschäftigen, keine reale Bedeutung mehr haben. Wo nur Materie real ist, bekommt nicht mehr derjenige den höchsten Lohn, der Gott dient. Dieser jenseitige Lohn ist wertlos, weil er nicht real ist. Wo nur Materie real ist muß derjenige Bereich unserer Kultur den höchsten Stellenwert bekommen, der sich um die Planung, Herstellung und Verteilung materieller Güter kümmert. Den höchsten Lohn bekommt der Unternehmer, der begehrte materielle und deshalb werthaltige Güter am besten zur Verfügung stellt.

"Gut" wird von der Wirtschaftswissenschaft mit "produktiv" definiert. Besser ist produktiver und am besten ist am produktivsten, mit der höchsten Produktivität. Bei dieser höchsten Produktivität wird ein bestimmtes Ergebnis mit dem geringsten möglichen Einsatz erreicht oder ein bestimmter Einsatz bringt das größtmögliche Ergebnis. Das war unsere Realität in den vergangenen beiden Jahrhunderten. Sie hat uns die Industrialisierung beschert, mit all ihren Segnungen und mit all ihren Flüchen. Sie hat die Menschheit und ihren Planeten, die Erde, in einem Ausmaß und mit einer Geschwindigkeit verändert die vorher undenkbar und deshalb unrealistisch waren.

Ein großer Teil dieser Menschheit verdankt der Industrialisierung einen Lebensstandard, der noch hundert Jahre zuvor nicht denkbar war - also nicht gedacht werden und deshalb nicht real werden konnte. Vieles spricht dafür, daß wir jetzt, zur Jahrtausendwende, erneut an einem Wendepunkt stehen, der - wie wenige Jahrhunderte zuvor - zuerst von der Philosophie und dann von den Naturwissenschaften markiert wird, bevor er sich in der materiellen Realität manifestiert.

Ludwig Wittgenstein geht davon aus, daß Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft eine Einheit sind, die im Jetzt gedacht und durch dieses Denken im Jetzt definiert - geschaffen - werden. Martin Heidegger sagt, daß "die jetzt erst beginnende Weltzivilisation einst das technisch-wissenschaftliche Gepräge als die einzige Maßgabe für den Weltlauf des Menschen überwindet" und daß es "ein Denken außerhalb der Unterscheidung von rational und irrational (gibt)". Wenn, wie die ontologische Philosophie zeigt, Wirklichkeit durch Denken definiert - und das heißt geschaffen - wird, folgt daraus, daß es eine Wirklichkeit "jenseits" der Rationalität gibt, also jenseits dessen, was der menschliche Verstand erfassen kann. Schon wieder dieses vertrackte Jenseits!

Die moderne Physik lehrt, daß Materie nicht aus Elementarteilchen besteht, sondern aus der Bewegung der Elementarteilchen. Der Durchmesser eines Atoms mißt etwa einen millionstel Millimeter. Wenn wir den Atomkern auf einen Kirschkern vergrößern, entspricht die Größe der Elektronen in der Umlaufbahn um den Kern einem Sandkorn. Die Entfernung, in der dieses Sandkorn mit hoher Geschwindigkeit um den Kirschkern rast, entspricht der Länge eines Fußballfeldes. Die von den jetzt zu Ende gehenden Jahrhunderten definierte materielle Realität besteht also fast vollständig aus NICHTS.

Ist der Raum zwischen den Elementarteilchen leer? Für unsere Realität ja. Milliarden von Neutrinos zum Beispiel (Neutrinos sind Elementarteilchen, die an keinen Atomkern "gebunden" sind) jagen in jeder Sekunde durch den Erdball einschließlich unserer menschlichen Körper, ohne dessen oder deren Existenz überhaupt zu bemerken. So gering ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie in dieser gigantischen Leere auf ein anderes Elementarteilchen treffen.

Würden wir unser elementares Sandkorn auf das Körpervolumen eines Menschen vergrößern, so hätte das dazugehörige Fußballfeld etwa die Größe der Erdoberfläche. Könnten wir unser Leben lang dort herumwandern, wäre trotzdem die Wahrscheinlichkeit, auf einen vielleicht existierenden zweiten Menschen zu treffen, sehr klein. Dabei ist unsere Wanderroute auf der Erdoberfläche in unserem herkömmlichen Denken nicht real. Das Fußballfeld des elementaren Sandkorns gibt es als materielles Feld überhaupt nicht, sondern nur als ein Kraftfeld, in dem sich die Fliehkraft des Sandkorns und die Anziehungskraft des Kirschkerns präzise ausgleichen. Entsprechend könnten wir auf unserem erdgroßen Fußballfeld gar nicht herumwandern, sondern müßten in einer Miniraumkapsel auf vielleicht ewig und als einzige auf unserer Bahn im Nichts herumjetten.

Durch unsere Bewegung entstünde für den kosmischen Beobachter die Illusion einer Planetenkugel, ähnlich wie ein sich mit mittlerer Geschwindigkeit drehender Propellerflügel für das menschliche Auge die Illusion einer festen Scheibe hervorruft. Erhöhen wir nun die Drehgeschwindigkeit des Propellers, so verschwindet die feste Scheibe und unser Auge sieht nicht mehr, daß dort etwas ist. Wenn wir aber den Finger in diese unsichtbare Scheibe hineinstecken, ist er ab. Eine für unser Auge unsichtbare Realitätsebene ist sehr wohl in der Lage, unseren Finger abzuschneiden.

Die Erkenntnis, daß Realität nicht sichtbar sein muß, ist nicht neu. Wir müssen einen Schritt weiter gehen: Es gibt eine Realität die für uns, für unsere Technik, für unsere Physik, nicht meßbar ist und - bleiben wir bei dem Beispiel - trotzdem unseren Finger abschneiden kann. Wir sehen die Wirkung, können die Ursache aber nicht erkennen, weil sie aus einer anderen Realität kommt als der unseren.

Einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts, der Nobelpreisträger Stephen W. Hawking sagt, daß unser materielles Universum mit einem weiteren Universum aus "dunkler Materie" in dem gleichen Raum koexistiert. Diese "dunkle Materie" hat einen Schwingungsbereich, der aus dem Schwingungsbereich unserer Existenz heraus weder beobachtbar noch erfaßbar ist. In der Terminologie der ontologischen Philosophie ist diese Materie jenseits unserer Realität. "Dunkel" wird sie wohl genannt, weil sie für uns nicht zugänglich ist. Die theoretische Physik hat aber nachgewiesen, das sie existieren muß. Ist sie deshalb Realität? In den Berechnungen der theoretischen Physik: Ja. Nach den Maßstäben unserer Materie: Nein.

Hugh Everett, der gemeinsam mit Stephen Hawking einen bahnbrechenden Beitrag zur theoretischen Physik über "The Wave Function of the Universe (Die Wellenfunktion des Universums)" geschrieben hat, spricht nicht nur von zwei, sondern von mehreren Welten, die alle gleichermaßen real und füreinander möglicherweise unzugänglich sind. Sie existieren miteinander, ohne voneinander Notiz zu nehmen.

Wir können dieses Konstruktionsprinzip des Universums in der Biologie erkennen, wo verschiedene Arten von Tieren und Pflanzen den gleichen Lebensraum bewohnen, teilweise voneinander leben, teilweise nebeneinander, teilweise miteinander. In der Biologie werden Arten nach einem Kriterium der Genetik voneinander abgegrenzt: Lebewesen, zwischen denen eine genetische Verbindung nicht möglich ist - die sich in der Terminologie des Alten Testaments also nicht "erkennen" können - gehören verschiedenen Arten an. Im Analogieschluß auf die Physik übertragen: Welten, die sich gegenseitig nicht erkennen können, gehören verschiedenen Realitäten an.

Unsere Realität wird durch unser Denken nicht nur beschrieben, sondern definiert. Unser Denken begrenzt also auch unsere Realität. Anderes Denken schafft deshalb eine andere Realität. Diese - ontologische - Philosophie ist vereinbar mit mehreren Realitäten im gleichen Raum und in der gleichen Zeit, die füreinander "dunkel", nicht erkennbar sind, also durchaus auch mit Engeln und Teufeln, die zeit- und raumgleich mit uns in einer anderen für uns unzugänglichen Realität existieren, weil sie anders denken.

Aus ontologischer Sicht sind wir wie John Godfrey Saxes sechs blinde Männer aus Indostan, von denen jeder einen anderen Teil eines Elefanten berührt - den Bauch, einen Stoßzahn, den Rüssel, ein Bein, ein Ohr, den Schwanz. Für jeden der sechs erscheint deshalb ein ganz anderer Elefant: eine Wand, ein Speer, eine Schlange, ein Baum, ein Fächer, eine Schnecke. Die ganze Wirklichkeit des Elefanten kann keiner der sechs erkennen, weil sie nicht sehen können. Die Physik läßt darauf schließen, daß wir alle blind sind und daß es uns nicht möglich ist, die ganze Wirklichkeit zu erfassen, weil wir Menschen und deshalb für andere Realitäten blind sind.

WIR ALLEIN SIND SCHMIED UNSERES GLÜCKS

Innerhalb der für uns erfaßbaren Wirklichkeit ist es uns aber möglich, unsere Realität zu denken, sie durch eine einfache "definitorische" Entscheidung festzulegen. Lassen Sie uns versuchen, diesem abstrakten Konzept Leben einzuhauchen: Von Robert K. Merton stammt die Theorie der "self-fulfilling prophecy (sich selbst erfüllenden Vorhersage)". Merton zeigt an einem historischen Beispiel, wie eine Bank mit nachgewiesener Bonität und Liquidität durch das Gerücht der Insolvenz in den Konkurs getrieben wird. Der Philosoph und Finanzmagnat George Soros berichtet, wie seine eigenen von den Märkten beobachteten Verkäufe der britischen Währung die Pfundabwertung erzwungen haben, obwohl die britische Zentralbank und die britische Regierung diese um fast jeden Preis zu vermeiden suchten.

Die pädagogische Forschung hat nachgewiesen, daß nicht das Urteil der Lehrer von der Leistung der Schüler abhängt, sondern daß umgekehrt die Leistung der Schüler vom Urteil der Lehrer über sie abhängt. Die Managementforschung hat nachgewiesen, daß nicht die Beurteilung durch Vorgesetzte von den Arbeitsergebnissen der Mitarbeiter abhängt, sondern daß umgekehrt die Arbeitsergebnisse der Mitarbeiter von der Beurteilung durch die Vorgesetzten abhängen. Die Drehbücher der antiken griechischen Tragödien sind fast alle so geschrieben, daß den tragischen Helden schließlich genau das Schicksal ereilt, welches er mit aller Kraft zu vermeiden trachtet. Und der Prophet Hiob berichtet "Was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und was ich sorgte, hat mich getroffen".

In BUSINESS REFRAMING wird gezeigt, daß diesen Erscheinungen ein allgemeines Resonanzgesetz zugrundeliegt, dessen Konsequenzen erstaunlich sind: Nicht Ursachen produzieren Wirkungen, sondern Wirkungen suchen die Ursachen, die sie zu ihrer Verwirklichung brauchen, gestalten sie und ziehen sie an. Diese umgekehrte Kausalität ist das Geheimnis einer Schöpfungskraft, die die Beschränkungen von Raum und Zeit "aushebelt".

Unser Sein ist Wirkung mit einer bestimmten "wave function", mit einem bestimmten Schwingungsmuster, das auf ähnliche Schwingungsmuster reagiert wie eine Stimmgabel. Schwingungen, die nicht ihrer Eigenfrequenz entsprechen, sind für sie nicht wahrnehmbar und das heißt, sie existieren für sie nicht. Das für uns sichtbare oder meßbare Universum ist auf eine bestimmte "wave function" aufmoduliert, wir können auch sagen: in diese Funktion eingeschlossen oder an sie gefesselt. Dem Sein des Menschen sind enge Grenzen gesetzt, dem Denken seines Geistes nicht.

Wer anders denkt, kommuniziert auch anders. Er sendet andere Wellen aus und empfängt andere Signale. Damit wird er ein anderer Mensch. Gedanken sind auch eine "wave function". Sie produzieren - wie Francisco J. Varela nachweist - Schwingungen in den Neuronen unseres Gehirns. Wenn die Gedanken kraftvoll sind, dehnen sich die "neuronalen Felder", die dabei entstehen, weit über die Grenzen des Körpers hinaus aus. Durch meine Gedanken entscheide ich, welche neuronalen Felder ich bilde oder welchen ich mich anschließe, für welche Einflüsse von außen ich mich öffne und für welche ich mich verschließe. Damit lege ich durch meine Gedanken die Realität fest, die ich wahrnehme. Mit anderen Worten: ich entscheide durch Denken, was für mich real ist.

Wenn die Religion von "Himmel" spricht, der oben ist, so meint sie damit nicht die blaue Atmosphäre, die die Erde umgibt und deshalb sowohl oben als auch unten ist. Sie meint damit keine "himmlische" Galaxie irgendwo in der Weite des Alls, sondern eine höhere Frequenz, die die tieferen Schwingungen überlagert. Und wenn die Religion von "Hölle" spricht, die unten ist, so meint sie damit nicht das Innere unseres Planeten, sondern eine tiefere Frequenz, welche sich im gleichen Raum befinden kann. "Hoch" assoziieren wir mit hell und "tief" mit dunkel. Beide, das himmlische Licht und die höllische Finsternis, sind hier. Wo wir uns befinden, hängt von dem Feld ab, das wir um uns bilden. Es liegt an uns, so zu denken, so zu sein, so auszustrahlen, daß da, wo wir sind, oben ist.

Die physischen Formen sind eine Tarnung und unsere fünf Sinne sind auf die Wahrnehmung dieser Tarnung spezialisiert und sehen die Wirklichkeit hinter ihr nicht. "Meinst du wohl, daß dergleichen Menschen von sich selbst und von einander je etwas anderes gesehen haben als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle wirft?" erklärt Platon mit seinem Höhlengleichnis unsere materialistische Illusion. Unsere materielle Realität ist der Schatten einer höheren geistigen Wirklichkeit. Und diese wirft die Schatten je nach der Richtung und je nach der Intensität, aus der und mit der sie bestrahlt wird.

Diese höhere und umfassendere Wirklichkeit können wir uns als elektromagnetische oder thermische Realität vorstellen, in der jeder Gedanke augenblicklich sichtbar ist. Dabei hängt die Intensität der Kommunikation von der Stärke eines Gefühls ab. Telepathische Kräfte wirken und verwirklichen - bewirken - das, was sie fühlen. Unser Denken ist die "wave function", auf die unsere materielle Realität aufmoduliert ist. Materielle Ursachen gibt es nicht. Es gibt nur materielle Wirkungen. Die Schwingungsebene, auf der Ursachen wirken, ist eine "andere" Realität, die wir weder sehen noch messen und auch nicht mit den Methoden, die wir als "wissenschaftlich" bezeichnen, nachweisen können.

Diese "andere" Welt wirkt sehr konkret in unsere materielle Realität hinein, ganz ähnlich wie der wegen seiner Rotationsgeschwindigkeit unsichtbare Propellerflügel, der trotzdem einen Finger abschneiden kann. Weil wir die Existenz des Propellers einer anderen Realität leugnen, sprechen wir bei unerklärlichen Ereignissen je nach Vorzeichen gern von Pech oder Glück -neutral von Zufall. Seit der Erfindung der Wahrscheinlichkeitsrechnung durch Blaise Pascal sind auch uns zugefallene - zufällige - Ereignisse quantifizierbar. Der Begriff "wahrscheinlich" deutet an, daß es sich um den Schein der Wahrheit handelt, also um Irrtum. Die Wahrheit liegt hinter einer für unseren Intellekt nicht überschreitbaren Grenze. Wenn der Schein der Wahrheit - der Irrtum - wahrscheinlich ist, deutet die Existenz des Unwahrscheinlichen auf die Wahrheit.

Jedes unwahrscheinliche Geschehen ist die Manifestation von Ursachen, die aus einer anderen Realität heraus in die unsere hineinwirken. Und wenn es uns nicht gefällt, tun wir gut daran, nicht nach außen zu schauen und die Schuld auf das schlechte Wetter zu schieben, auf die schlechte Regierung, die schlechten Gesetze, die schlechten Mitarbeitern, Kollegen oder Vorgesetzten, das schlechte Vorbild unserer Eltern oder die vielen schlechten - anderen - Menschen überhaupt. Wenn es uns nicht gefällt, müssen wir in uns hineinschauen - "intueri" heißt das auf Lateinisch - und unsere Intuition danach befragen, durch welches Denken wir das unerwünschte Geschehen auf uns gezogen haben, durch welches Denken wir die jenseitige Realität geschaffen haben, die sich in unserer diesseitigen Schattenwirklichkeit auswirkt.

Konfuzius hat diese Mechanismen vor zweieinhalb Jahrtausenden beschrieben: "Als die Führer in alten Zeiten das Wohlergehen ihrer Untertanen wünschten, bemühten sie sich darum, ihre Unternehmungen weise zu steuern. Um ihre Unternehmungen weise steuern zu können, trachteten sie als erstes danach, ihre Familien in Ordnung zu bringen. Bei dem Trachten nach der Ordnung ihrer Familien mußten sie zunächst bereit sein, gute Menschen zu werden. Mit dem Ziel, gute Menschen zu werden, versuchten sie, ihre Herzen zu reinigen. Um reine Herzen zu bekommen, bemühten sie sich darum, nur noch aufrichtige Gedanken zu haben. In dem Bemühen um aufrichtige Gedanken arbeiteten sie an der Vergrößerung ihres Wissens. Und bei der Vergrößerung ihres Wissens entdeckten sie die Beweggründe für die Taten der Menschen.

Und nachdem sie die Beweggründe für die Taten der Menschen entdeckt hatten, vergrößerte sich ihr Wissen. Aufgrund ihres großen Wissens hatten sie nur noch aufrichtige Gedanken. Die aufrichtigen Gedanken machten ihre Herzen rein. Sobald ihre Herzen rein waren, wurden sie zu guten Menschen. Als gute Menschen gelang es ihnen, ihre Familien in Ordnung zu bringen. Mit geordneten Familien konnten sie ihre Unternehmungen weise steuern. Und nachdem ihre Unternehmungen weise gesteuert wurden, erlebten sie selbst und ihre Untertanen Glück und Wohlergehen."

LEBENSQUALITÄT ERWÄCHST AUS DENKQUALITÄT

Konfuzius' "Beweggründe" für die Taten der Menschen liegen in einer anderen Realität, von der aus sie in unsere materielle Realität hineinwirken. Diese andere Realität ist durch ihre Schwingungsmuster gekennzeichnet - genau wie unsere materielle Realität auch. Jede Realität ist nur durch ihre Schwingungsmuster (Everetts und Hawkings "wave function") gekennzeichnet. Das heißt aber auch, daß jede Realität gleichermaßen real ist. Es gibt nichts, was die Annahme eines höheren Realitätsgrades unserer materiellen Realität gegenüber der konfuzianischen "Beweggrund-Realität" rechtfertigen würde.

Diese Beweggrund-Realität wird durch unser Denken gestaltet. Unser Denken ist deshalb verantwortlich für alles, was im Diesseits auf uns zukommt, uns zufällt oder zustößt. Einen Zufall im Sinne der Wahrscheinlichkeitstheorie gibt es nicht. Albert Einstein hat diese Erkenntnis auf einen griffigen Nenner gebracht: "Gott würfelt nicht".

Der Prozeß der Industrialisierung ist das Ergebnis vieler einzelner und doch miteinander verwobener Denkgebäude von Wissenschaftlern, Erfindern und Unternehmern. Viele von uns genießen deren Segnungen. Viele andere haben unter ihrem Fluch gelitten. Gerhard Hauptmann hat ihre Leiden in dem naturalistischen Drama "Die Weber" eindrucksvoll dichterisch verarbeitet. Viele andere - in letzter Zeit auch Arbeitslose in den Industrieländern - leiden noch heute. Die "Macher" der Industrialisierung haben die Opfer in Kauf genommen. Es war der kollektiv zu zahlende Preis für die Verwirklichung ihrer Vision. Das Denken der Macher hat kraftvollere neuronale Felder geschaffen als das der Opfer und - wie immer - haben sich die kraftvolleren Felder materialisiert.

Täter sind immer stärker als Opfer. Wenn wir aber das Modell jenseitiger Ursachen für diesseitige Wirkungen einführen, ist das Denken beider gleichermaßen ursächlich für das, was geschieht. Täter wie Opfer schwingen gleichermaßen in dem großen neuronalen Feld "Menschheit", in dem ihre unterschiedlichen Rollen sich aus höherer Warte gegenseitig bedingen, aufheben, wegkürzen. Es ist wie ein Familiendrama, das Außenstehende nichts angeht, wenn es sie nicht beeinträchtigt.

Das Konzept eines derart "geschlossenen Modells Menschheit" hat lange gegolten, wohl auch noch in den Anfangen der Industrialisierung. Heute gilt es nicht mehr, weil Täter und Opfer nicht mehr nur Menschen sind - nicht mehr quasi zur gleichen Familie gehören, die das Problem intern lösen sollten. Die gesamte Menschheit beansprucht Dominanz über ein anderes neuronales Feld: das der Natur, das des Planeten Erde. Sein subtiles und fein austariertes ökologisches und klimatologisches Gleichgewicht wird durch Eingriffe zerstört, die einem momentanen Lebensstandard dienen.

Kollektives Bewußtsein ist eine mögliche Umschreibung kollektiver neuronaler Felder. Das kollektive Bewußtsein der Menschheit ist gegenwärtig besessen von dem Drang nach wirtschaftlichem Wachstum um jeden Preis. Auch ein Planet hat Bewußtsein. So weit wir wissen, entsteht dies nicht durch Denken, aber doch auch durch Schwingungsmuster (wave functions) in einer anderen, uns nicht zugänglichen Realität, von der aus sein Verhalten gesteuert wird. Der Planet Erde reagiert also bewußt auf die Beeinträchtigung seines Gleichgewichts durch seine menschlichen Gäste.

Denkqualität können wir auch als Integrität im Denken bezeichnen. Integeres Denken ist sich sämtlicher Folgen der eigenen Gedanken bewußt, ist deshalb aufrichtig und unschädlich im umfassendsten Sinn. Unschädliche Gedanken fügen niemandem Schaden zu. Sie können deshalb offen oder auch öffentlich sein. Integere Gedanken muß man nicht verstecken. In der Realität der Denkens gibt es ohnehin keine unsichtbaren Gedanken, ganz so wie es in unserer materiellen Realität keine unsichtbaren Häuser, Straßen oder Autos gibt.

Gedanken, die anderen Schaden zufügen, haben eine Schwingungs-Affinität: ihre Schwingungen sind ähnlich und ziehen sich gegenseitig an. Wer also in Gedanken anderen Schaden zufügt, schadet sich in der jenseitigen Realität des Denkens selbst. Und weil die diesseitige Realität von der jenseitigen Realität des Denkens gesteuert wird, fällt das gedachte Böse letzlich auf den Denk-Strolch zurück. Wer anderen eine Grube gräbt ...

Wenn die Menschheit als Ganzes in ihrem Streben nach rücksichtslosem wirtschaftlichem Wachstum ihrem gastgebenden Planeten Schaden zufügt, muß dieser Schaden deshalb auch sehr konkret materiell auf die Menschen zurückfallen. Es ist Verschwendung von Forschungsgeldern, nach materiellen Ursachen zu suchen und einen "Reparaturbetrieb" auf der materiellen Ebene aufzubauen. Integrität im Denken erfordert Respekt vor der gesamten Schöpfung, die heilig ist, auch vor der materiellen, die lediglich eine höhere Realität spiegelt. Wer diese Einsicht hat, muß im praktischen Leben auch integer handeln und zum Beispiel als Manager oder Politiker Unternehmen und Staaten nach den bekannten Kriterien der ökologischen Nachhaltigkeit führen:

Der Verbrauch von Natur muß in die Kosten eingehen. Wenn die Kosten der Erneuerung der Natur in den Preisen kalkuliert sind und weitergegeben werden, erzwingen die Märkte ökologische Verantwortung. Dieses Kriterium bedeutet aber auch, daß ein nicht erneuerbarer Verbrauch von Natur ebenso verboten sein muß, wie ein nicht erneuerbarer Verbrauch von Menschenleben in allen zivilisierten Staaten der Erde verboten ist und als Kapitalverbrechen geahndet wird.

Technische Risiken dürfen nur eingegangen werden, wenn sie versichert sind (und nicht nur versicherbar, wie vielfach angenommen). Nicht versicherbare Risiken dürfen nicht eingegangen werden, weil das Kapital der Welt nicht ausreicht, die Gefahren abzudecken, die von ihnen ausgehen. Und nicht versicherte Risiken dürfen nicht eingegangen werden, weil das Kapital der Welt nicht bereit ist, für sie zu haften. Sollen, wenn dem Kapital das Risiko zu hoch erscheint, an seiner Stelle die Habenichtse der Welt mit ihrem Leben in Geiselhaft genommen werden?

Integeres Denken und integeres Handeln schaffen quasi von selbst Lebensqualität, weil die diesseitigen Prozesse von einer jenseitigen Realität aus für alle verträglich gesteuert werden. Integrität kennt keine Opfer, weil sie sämtliche Konsequenzen des eigenen Denkens und Handelns berücksichtigt. Wer integer ist, kann auch selbst nicht Opfer werden. Denkqualität kann gar nicht dazu führen, daß wir die sinnvollen Errungenschaften unserer Zivilisation aufgeben und materiell auf ein vorindustrielles Niveau zurückfallen. Denkqualität schafft Lebensqualität durch rücksichtsvolles, verträgliches und harmonisches Vorgehen.

Lebensqualität durch Denkqualität zu schaffen, bedeutet einen Evolutionssprung für die Menschheit. Dieses neue Denken wird - wie jedes neue Denken - das Handeln der Menschen neu ausrichten. Und wie immer, wenn Menschen anders ausgerichtet handeln, verändert das auch diesmal die Welt. Die Kausalketten zur Vergangenheit werden unterbrochen, alte Erfahrungen werden wertlos. Neue Denker kreieren neue Strukturen, sind Schöpfer einer neuen Welt. Das ist die einzig mögliche Zukunft der Menschheit. Wenn sie nicht durch ein neues Denken geschaffen wird, kann sie sich in der Realität nicht manifestieren Und dann kann die Menschheit keine Zukunft haben.

Die Kernthese Friedrich Hayeks, nach der die Wirtschaft strenge ordnungspolitische und rechtliche Rahmenbedingungen braucht, um effizient Lebensstandard produzieren zu können, muß heute um eine Kernthese von Business Reframing ergänzt werden: die Wirtschaft braucht strenge ethische und ökologische Rahmenbedingungen, um effizient Lebensqualität produzieren zu können. Hierzu müssen wir alle uns von kleinen Zauberern, als die wir zum Gedeihen der Industriegesellschaft beitragen und die sich von der Lösung eines Detailproblems zur nächsten schwingen, zu großen Zauberern weiterentwickeln, die sich für das Ganze verantwortlich fühlen - zu planetaren Unternehmen:

Der kleine Zauberer hat Hunger und zaubert sich seine Lieblingsmahlzeit. Aber die Früchte sind vertrocknet, weil der Fluß versiegt ist. Daraufhin unternimmt der große Zauberer, dem auch das Wetter gehorcht, eine beschwerliche Wanderung zur Quelle, wo die guten Früchte wachsen, und bringt sie dem kleinen Zauberer. Dieser schaut seinen Meister fassungslos an: "Warum hast du nicht einfach Regen gezaubert?" "Das habe ich früher getan", antwortet der große Zauberer, "aber die Folgen waren fürchterlich."

Zwei eingeschaltete Femsehapparate stehen sich in einer Reparaturwerkstatt gegenüber. Der Moderator der Abendnachrichten im einen wird von der zauberhaften Kyoko im anderen völlig aus dem Konzept gebracht und unterbricht seine Sendung: "Komm in meine Arme," haucht er ihr zu, "für immer". "Wie soll ich?" antwortet sie, "In meiner Frequenz geht das nicht. Und es wäre auch nicht gut für dich. Du würdest deine Welt nicht mehr als dein Spiegelbild erkennen und daran lernen können. Dann bliebest Du so unvollkommen wie Du bist und müßtest deshalb ohne mich sein. Für immer."

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