Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, Business Reframing Institute
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Auszug aus dem Artikel:
Der Empfangsraum der Kantine war schön dekoriert. Etwa hundert Gäste standen in Grüppchen beieinander und unterhielten sich. Alle gaben sich locker, bis auf Einen: Ich stand vor meiner Beförderung zum Abteilungsleiter und war aufgeregt. Mein Vorgänger wurde in den Ruhestand verabschiedet und aus diesem Anlass sollte ich ein paar Worte sagen. Es war mein erster Auftritt dieser Art.
Als der Herr des Vorstands hereinkam, wurde es still im Raum. Mit großen Schritten ging er auf den Jubilar zu, schüttelte fröhlich dessen Hand und begann mit seiner Laudatio: "Mein lieber Freund Martin Döring - nachdem wir über Jahrzehnte sehr gut zusammengearbeitet ha-ben, denke ich, dass ich Sie heute so nennen darf. Es ist ein seltenes Geschenk und eine schwere Pflicht, einen so wunderbaren Menschen und Mitarbeiter zu verabschieden. Vor vierzig Jahren haben Sie als junger Ingenieur bei uns angefangen. Vierzig Jahre lang sind Sie ein Vorbild an Fleiß und Pflichterfüllung, an Loyalität und Selbstdisziplin gewesen. Jede Ihnen übertragene Aufgabe haben Sie mit bedingungslosem Engagement erfüllt. Als Vorgesetzter haben Sie Ihre Mitarbeiter gefordert und gefördert. Für mich persönlich sind Sie immer ein wertvoller Gesprächspartner gewesen, auf dessen Erfahrung ich bauen konnte. Bei all Ihren besonderen Leistungen sind Sie bescheiden geblieben. Ihr Ausscheiden wird eine große Lücke hinterlassen. Wir werden Sie sehr vermissen."
Dann stand ich im Rampenlicht. Kurz und lustig sollte es sein. Wenn es etwas zu lachen gäbe, wäre die Situation für mich gerettet gewesen. Ich war keine 30 Jahre alt, noch nicht verheiratet und beendete meine Ansprache mit der Frage: "Haben Sie, Herr Döring, in den 40 Jahren denn nie an Scheidung - von der Firma - gedacht?" Die Reaktion der Anwesenden war nicht das erwartete befreiende Lachen, sondern gequält.
Und dann kam Martin Döring: "Mein lieber junger Kollege Berger", sagte er, "das ist eine interessante Frage. Sie werden verstehen, dass meine Antwort darauf noch vor Jahren oder auch Monaten nicht ehrlich gewesen wäre. Ab heute bin ich ein freier Mann. Ich kann Ihnen jetzt einfach die Wahrheit sagen: An Scheidung habe ich in all diesen Jahren nie gedacht, aber - und damit ist kein Mensch gemeint, sondern das Unternehmen - an Mord."
Mahatma Gandhi hat die Sündenfälle der Unternehmenskultur in fünf ethische Verbote gefasst unddanach möchte ich das Thema an Hand von Beispielen behandeln:
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(erschienen in OSCAR - Zeitschrift von Europas führender studentischer Unternehmsberatung)
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