Was wir sind - oder auch - sein könnten

Business Reframing - in Resonanz mit Herz und Hirn

Buchlink Seite S 37

DIE Entfaltung von potenzialen

Das Heil der Welt liegt nicht in anderen Maßnahmen, sondern in einer anderen Geisteshaltung (Gesinnung)“, sagte Albert Schweitzer. Viele Menschen sehen sich als das Ergebnis und eine Anhäufung von Ressourcen, die sie von Geburt oder durch ihre Ausbildung erhalten haben und oft bis zum Lebensende daran festhalten. Doch in den meisten Fällen bleiben die wahren Potenziale, obwohl sie in uns verborgen sind, unentdeckt. Gerald Hüther erklärt, wie wir uns von „Ressourcenverbrauchern zu Potenzialentfaltern“ entwickeln können. 

 

 

Was wir sind und was wir sein könnten

Quelle: Gerald Hüther - „Was wir sind und was wir sein könnten“

Aus neurobiologischer Sicht stellt sich die Frage, ob Arbeit dazu beitragen kann, nicht nur den bisher erreichten Stand der kulturellen Entwicklung des Menschen zu sichern, sondern auch die im Menschen angelegten Potenziale weiter zu entfalten. Die Antwort lautet, „das menschliche Gehirn ist nicht für die Durchführung von bezahlten Dienstleistungen, sondern für das Lösen von Problemen optimiert, die das Leben jedes Einzelnen in einer menschlichen Gemeinschaft bereithält und immer wieder neu schafft.“

 

Und das Ergebnis dieser Arbeit ist auch nicht das Produkt, das dabei als äußeres „Werk“ entsteht. Das Ergebnis dieser „Arbeit“ ist die eigene Weiterentwicklung, die weitere Vervollkommnung, die Entfaltung von bis dahin nicht sichtbarer oder noch nicht entwickelter Potenziale bei dem, der arbeitet. Weil das menschliche Gehirn ein so plastisches, in seiner Strukturierung so maßgeblich durch eigene Erfahrungen bei der Lösung von Problemen und der Bewältigung von Herausforderungen geprägtes Organ ist. Das menschliche Gehirn ist eben nicht zum Auswendiglernen von Sachverhalten, sondern für das Lösen von Problemen optimiert

 

 

Potenzialentfalter statt Ressourcenverbraucher 

Was könnten die vorherrschenden Erfahrungen sein, die wir hier schon seit Generationen gemacht und die zur Verankerung dieser Haltungen in unserem Gehirn geführt haben? Inzwischen haben wir uns nun so ziemlich alles angeeignet, was unser Planet zu bieten hatte und was wir irgendwie, meist zur Mehrung unseres Besitzstandes brauchen konnten. Man nimmt sich, was man kriegen kann und wer am schnellsten, rücksichtslosesten und am zielstrebigsten bei der Verfolgung seiner Interessen ist, gewinnt das Rennen. Wer in diesem Wettlauf nicht mithalten will oder kann, ist selbst schuld. Der „Club of Rome“ hat das Dilemma, auf das wir uns zu bewegen, „Grenzen des Wachstums“ genannt.

 

Entwicklung bedeutet nicht Neues zu erfinden

Potenziale können heute wie damals in gemeinsam individualisierten Kollektiven entfaltet werden. Nicht nur in Gemeinden, sondern ebenso in Unternehmungen, in denen es auf jeden einzelnen Mitarbeiter ankommt, wo jeder seine individuellen Fähigkeiten und Begabungen erkennen und leben, wie auch zur Entwicklung einer Unternehmung, Organisation oder Gemeinschaft beitragen kann. Entwicklung bedeutet nicht immer Neues zu erfinden, sondern in den meisten Fällen, das bereits Vorhandene - aber oft voneinander getrennte Wissen - auf eine neue Weise miteinander zu verbinden.

 

Das Hirn ist ein Sozialorgan

Fußballmannschaften brauchen, wenn sie ein Spiel gewinnen wollen, einen Teamgeist, Familien brauchen einen Familiengeist, Schulen einen Schulgeist, Unternehmen einen Unternehmensgeist. Unser Gehirn ist  in viel stärkerem Maß als bisher angenommen ein soziales Konstrukt.

 

Damit ist die Neurologie nach der Quantenphysik nun auch auf dem Gebiet der Biologie, speziell im Bereich der Neurobiologie, wo sie sich mit besonders komplexen Phänomenen befasst, zu einem Punkt gekommen, den die Mystiker vergangener Zeiten ebenfalls schon erreicht hatten: bei der Erkenntnis, dass alle beobachtbaren Erscheinungen auf eine Weise miteinander verbunden und systemisch voneinander abhängig sind.

 

 

Was könnte aus uns werden?

Hirntechnisch ist der Zustand von Angst, Hilflosigkeit oder Ausweglosigkeit nicht lange auszuhalten. Deshalb findet jeder Mensch über kurz oder lang eine Lösung, die ihm hilft, wieder Ordnung in die ablaufenden Erregungen zu bringen. Der Fachausdruck dafür heißt Dissoziation und bedeutet, dass man sich mit aller Kraft darum bemüht so zu tun als wäre alles in Ordnung.

 

Wer diese Fähigkeit des Abspaltens und Verdrängens lange genug erfolgreich eingesetzt hat, kann tatsächlich einfach so weitermachen wie bisher – Augen zu und durch. Daran leiden mittlerweile auch immer mehr Menschen, weil sie das, was sie brauchen, nicht finden und sie das, was sie belastet nicht verändern können. Das Bild des Hamsterrades beschreibt am anschaulichsten den Zustand, der das Lebensgefühl einer wachsenden Zahl von Menschen in unserer gegenwärtigen Leistungsgesellschaft prägt

 

Nur die Rückgewinnung von Vertrauen würde dazu führen, dass die höheren Bereiche im Gehirn, vor allem die in der präfrontalen Rinde lokalisierten Netzwerke, wieder nutzbar werden. Deshalb gibt es gar keine andere Möglichkeit als Brücken bauen und Vertrauen stiften.


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