Das Hirn denkt in Beziehungen

Business Reframing - in Resonanz mit Herz und Hirn

Buchlink Seite S 37

. . oder warum Mobbing tödlich sein kann

Ein einfaches Experiment offenbart wie überlebensnotwendig Beziehung für jeden Menschen ist: Wir bitten eine Mutter, sich vor ihr sechs Monate altes Kind zu setzten und drei Minuten lang nicht mehr darauf einzugehen, weder verbal noch nonverbal. Diese stille, bewegungslose Phase, ist für ein Kind existenzbedrohend:  

-        Zuerst sendet es vermehrt Signale, lächelt öfter, macht Geräusche,

          sucht Augenkontakt.

-        Wenn das keine Reaktionen auslöst, kommt es zu Unruhe, Angst-

          und Wutreaktionen.

-        Zuerst versucht es sich selbst zu beruhigen, steckt die Hand in den

          Mund steckt, zerrt seinem Strampel-Anzug.

-        Wenn die Mutter weiter durchhält, zieht das Kind sich in sich selbst

          zurück, sinkt mutlos, resigniert und verzweifelt in sich zusammen.

 

Wir kommen so verdrahtet zur Welt, dass wir Kontakt zueinander suchen. Eine  Erfahrung dieser - oben dargestellten - Art lässt sich durch Liebe überwinden. Würde es öfters vorkommen, wären die Schäden irreparabel. Aus diesem Grund erzeugt Mobbing eine solch enorm negative - fast Sterbens ähnliche  - Wirkung.

 

Soziale Beziehungen und Wohlbefinden

Quelle: Dan Siegel – „Die Alchemie der Gefühle“:

Das limbische System ist zudem dafür entscheidend, ob wir Beziehungen knüpfen und uns gefühlsmäßig miteinander verbinden. Fische, Frösche oder Eidechsen, sind keine Säugetiere, haben weder einen Tierfreund, der sie aufzieht, noch untereinander eine Anhänglichkeit. Wir sind durch unser Säugetier-Erbe fest dazu verdrahtet, Bindungen miteinander einzugehen.

 

Eine solche Verbindung stellt sich ein, wenn wir uns auf die Wechsel im Inneren eines Mitmenschen einstimmen, dieser sich ebenso in uns einfühlt und unsere beiden Welten zu einer einzigen verschmelzen. Mittels Empathie (Gesichtsausdruck, Tonfall, Gesten und Haltungen) – wobei manche so flüchtig sind, dass man sie nur durch Aufnahmen im Zeitlupentempo sehen kann – schwingen wir mit dem Gegenüber ‚mit‘. Das daraus entstehende Ganze ist in der Tat größer als die einzelnen Persönlichkeiten. Dieses Mitschwingen ist als Gefühl der Verbundenheit und des Lebendig-Seins erfahrbar. Genau dies geschieht, wenn ein Geist einem anderen begegnet.

 

Ankommen

Wir spüren, dass jemand an unserer Innenwelt Anteil nimmt, dass unser Gegenüber unseren Geist in sich aufgenommen hat... In den ersten Jahren ist dieser zwischenmenschliche Kontakt für das Überleben entscheidend, um ein Gefühl von Vitalität und Wohlbefinden zu erleben. Geist, Gehirn und Beziehungen sind keine separaten Elemente im Leben.

 

Unser Hirn ist ein Sozialorgan

Quelle: Gerald Hüther – „Was wir sind und was wir sein könnten“:

In allen Bereichen in welchen sich das menschliche Gehirn vom tierischen unterscheidet, wird es allein durch Beziehungserfahrungen mit anderen Menschen strukturiert und geformt. Unser Gehirn ist also ein Produkt sozialer Erfahrungen und als solches für die Gestaltung von sozialen Beziehungen optimiert. Es ist ein Sozialorgan.

 

Erst durch eine derart entwicklungsbezogene Perspektive bekommt man in den Blick, dass menschliche Gehirne Organe sind, die ausschließlich in einem Netzwerk von anderen Gehirnen überlebens- und entwicklungsfähig sind. Gehirne kommen streng genommen im Singular gar nicht vor, die Hirnentwicklung lässt sich überhaupt nur als ein Prozess von Beziehung beschreiben. Dass kein Mensch alleine überleben, geschweige denn die in ihm angelegten Potenziale entfalten kann, ergibt sich daraus zwangsläufig.

 

 

Das Potenzial der Gemeinschaft

Die Erkenntnis, dass das menschliche Gehirn ein erfahrungs- und nutzungsabhängig entwickelndes Organ ist, bedeutet, dass die soziale Umwelt die neuronale Architektur eines Gehirns ganz entscheidend bestimmt… Deshalb sind wir die einzigen Lebewesen, die in einer individualisierten Gemeinschaft verborgene Potenziale der einzelnen Mitglieder zur Entfaltung bringen können. Wir sind wie keine andere Lebensform in der Lage, in einer Gemeinschaft über uns hinauszuwachsen.

 

Das Bedürfnis dazuzugehören ist der Schlüssel zum Verständnis dieses sonderbaren Anpassungsprozesses, der Menschen dazu bringt, ihr Gefühl von ihrem Verstand und ihren Körper von ihrem Gehirn abzutrennen. Weil wir Mensch vor allem als Kinder, allein überhaupt nicht überlebensfähig sind, bleibt einem Kind gar keine andere Möglichkeit, als sich an die Denk- und Verhaltensmuster der Familie, der Sippe, der Gemeinschaft anzupassen, von der sein Überleben abhängt. Wie auch immer die Anpassungsprozesse im Einzelfall verlaufen, sie führen alle zum gleichen Ergebnis.

 


Buchtipps

Edward De Bono, „Neue Denkschule“:

Günter Faltin, „Wir sind das Kapital“:

Martin J. Eppler – „Gemeinsam kreativ“

Jörg Starkmuth, „Die Entstehung von Realität“:

 

Jürgen Erbeldinger, „Durch die Decke denken“: 

 



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