Agilität und kollektive Synergie

Business Reframing - in Resonanz mit Herz und Hirn

Buchlink Seite S 165

Teamintelligenz & Selbstorganisation

Teamintelligenz entsteht durch Selbstorganisation und konsensorientierte Gruppenprozesse. Die zentrale Aufgabe der Führung ist es, solche Prozesse zu ermöglichen und zu fördern. Innovationen werden kaum geschaffen, wo das Bedürfnis nach Sicherheit dominiert, sondern eher bei einer ausgeprägten Instabilitätstoleranz. Für das Überleben am Markt zählt nicht Größe, sondern Schnelligkeit bei der Verarbeitung von Komplexität.

 

Übersummative Intelligenz

Quelle: Peter Kruse, „next practice“:

Der überwältigende evolutionäre Erfolg der Gattung Mensch basiert auf der Fähigkeit zur Erzeugung von ‚Kulturen‘. Der Mensch hat sich nur deshalb über alle Klimazonen der Erde ausbreiten können, weil er die Fähigkeit besitzt, sich in Gruppen zusammenzuschließen. 

 

Aus neurophysiologischer Perspektive ist es angesichts der weltumspannenden ‚Verdrahtung‘ heute vielleicht naheliegend, das Bild eines ‚globalen Gehirns‘ zu entwerfen. Die Forschung geht davon aus, dass das Gehirn ein hochdynamisches, selbstorganisierendes Netzwerk mit extrem hoher Dichte an Verbindungen der Nervenzellen ist. Die Ordnungsbildungskapazität ergibt sich folglich nicht aus der Aktivität (oder Menge) einzelner Nervenzellen, sondern resultiert aus der Zahl und Stärke der Verbindungen zwischen den Nervenzellen.

 

Intelligenz ist die Summe an Denk-Verbindungen

Einfach gesagt: Wer 100 Milliarden Nervenzellen besitzt – diese aber nicht verbinden und verschiedene Erkenntnisse (Schlussfolgerungen) daraus ziehen kann, ist weniger fähig als jemand mit nur 10 Milliarden, dafür aber aktiv vernetzen Nervenzellen. Es ist nicht die Menge der Nervenzellen, es ist die Menge der Verbindungen

 

Versuche und Irrtum

Dass natürlich in der rationalen Denkwelt die Soll-Wert Strategie über der Probiermethode eingeordnet wird, beweist nicht zugleich, dass sie überlegen ist. Ein kleines Experiment kann deutlich veranschaulichen, dass es nicht immer sinnvoll ist, sich an einem Sollwert zu orientieren. Wenn wir z. B. eine Biene in eine leere, aber geöffnete Flasche sperren und warten ob sie den Weg in die Freiheit findet, hängt es davon ab in wohin die Flasche gerichtet ist. Drehen wir die Flasche mit dem Boden zum Licht, wird die Biene immer in Richtung des Lichts fliegen. Die Biene fliegt scheinbar mit selbstmörderischer Dummheit immer wieder gegen das Licht, also gegen den Boden der Flasche. Sie versucht es solange, bis sie stirbt. Die Aufgabe, durch den Flaschenhals in die Freiheit zu finden, ist für die Biene so gut wie unlösbar, solange die Öffnung vom Licht abgewandt ist. Ganz anders verhält sich die Fliege. Unter gleichen Bedingungen ist sie innerhalb kurzer Zeit in der Freiheit. Die Fliege folgt keiner Soll-Ist-Reglung, sondern probiert einfach herum. Sie bewegt sich nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum und findet so per Zufall bereits nach kurzer Zeit den rettenden Ausgang.

 

Selbstorganisation, die Funktionsweise des Gehirns

Es ist wichtig Strategien bei Bedarf auch wechseln zu können, das ist ein Merkmal lernender Organisationen, d. h. nicht der Manager allein, der nach Soll-Ist-Vergleich arbeitet, kennt der Weisheit letzten Schluss, sondern im gleichen Maße könnte es jeder Mitarbeiter mit der einfachen Strategie ‚Versuch und Irrtum‘ sein. Wer bewusst herumprobiert ist zwar ziel-, aber keineswegs hilf- oder erfolgslos. Herumprobieren ist quantitativ wohl die am häufigsten genutzte Form im tierischen und menschlichen Verhalten. Dennoch genießt das Prinzip von Versuch und Irrtum in der rational orientierten westlichen Kultur wenig Anerkennung. Ein Ergebnis sei durch Herumprobieren zustande gekommen, ist sicherlich eher als Vorwurf, denn als Lob zu sehen. Die Selbstorganisationstheorie deckt sich mit der Funktionsweise des Gehirns, welches selbstorganisiert, bedarfsorientierte Lösungen und Netzwerke entwickelt.

 

Lernen = die Bereitschaft für Neues

Ein kindliches Gehirn arbeitet näher am Instabilitätspunkt und mit dem Älterwerden nimmt die Tendenz zur Stabilität zu. Im Gegensatz zum Kind geht es beim Erwachsenen für gewöhnlich weniger um neue Musterbildungen als um die zuverlässige Reproduktion bereits gemachter Erfahrungen Eine Gesellschaft, in der die persönliche Absicherung im Vordergrund steht, verhält sich zwar individuell rational, aber kollektiv völlig irrational.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Instabilitätstoleranz die vielleicht wichtigste Voraussetzung für Innovationen ist. Lange Zeit war Größe ein Garant für das Überleben am Markt. In Zukunft geht es offenbar nicht mehr um Größe, sondern um Schnelligkeit bei Innovationen und Veränderung, sowie um die Verarbeitung zunehmender Komplexität. Bei Lösungen von höherer Komplexität muss die Ebene individueller Intelligenz verlassen und die Teamintelligenz genützt werden.

 

Menschen haben latent vorhandenen Lösungsfähigkeiten, und soziale Gruppen besitzen eine Intelligenz, die potenziell größer ist als die Summe der Einzelintelligenzen. Iteration, also die schrittweise Annäherung zur Lösung erzeugt eine übersummative Intelligenz.


Buchtipps

Peter Kruse  -  "next practice"



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