Führung - Disziplin vs. Augenhöhe

Disziplin vs. Augenhöhe - in praxis

Ein Live-Bericht aus dem Unternehmer-Alltag

Herr Urban wollte nicht mehr Prokurist sein. Es war ihm alles zu viel. Herr Weber – der Eigentümer – ernannte einen Neuen. Herrn Küster sollte der Nachfolger sein. Wir wurden in die Firma gerufen, weil „der Neue“ und die Mitarbeiter so heftige Konflikte hatten, dass ein normales Arbeiten nicht mehr möglich war. Seit Monaten stand der Betrieb still und die Emotionen schlugen hoch.

 

 

Was war passiert?

In den letzten Jahren hatte die Firma eine tiefe Krise überstanden. Im Team hatten Herrn Urban und die Mitarbeiter gemeinsam das kleine Schiff wieder in Fahrt gebracht – teilweise mit Gehaltsverzicht, Einsätzen an Wochenenden, unbezahlter Mehrarbeit bei Messen. Jeder arbeitete eigenverantwortlich, hatte sein Spezialgebiet und schaltete dort weitgehend frei. Wichtige Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen. Dabei war manch einer über sich selbst hinausgewachsen. Alle verband die Vision, die Idee der Firma groß werden zu lassen, viele Menschen damit anzusprechen.

 

Trotz allem ist das vom Eigentümer vorgegebene Ziel der Wirtschaftlichkeit nicht erreicht worden. Herr Küster sollte dies jetzt berücksichtigen, darauf achten. Seine Einführung als neuer Prokurist verlief nicht ganz glücklich. Die Mitarbeiter erfuhren von seinen neuen Kompetenzen auf einer Kundenveranstaltung – gemeinsam mit den Kunden. Das Entsetzen war groß.

 

„Vorsätzliche“ Führung

Herr Küster hatte viele gute Vorsätze. Er wollte aufräumen und durchgreifen, um den Laden auf Wirtschaftlichkeit zu trimmen. Er fand, dass eine unkontrollierte Selbstorganisation herrsche, die Mitarbeiter kamen und gingen wann sie wollten. Herr Küster erwartete, dass seinen Weisungen Folge geleistet werden – aber es passierte ... nichts. Er war gewillt, mit Abmahnungen endlich für Ordnung zu sorgen. Zu einem Team-Meeting lud er einen Rechtsanwalt ein, der die Mitarbeiter über ihre Pflichten aufklären sollte.

 

Die Mitarbeiter fühlten sich und den Erfolg der letzten Zeit völlig unverstanden. Sie hatten das Gefühl, Herr Küster weiß wenig davon, was in den letzten Jahren gut funktioniert hatte und interessierte sich auch nicht dafür. Was durften  sie noch eigenständig angehen? Sie entschieden abzuwarten: besser nichts zu tun als für einen Fehler bestraft zu werden. Die innere Kündigung lies den Schmerz nicht mehr spüren über eine verlorene Vision und das betrogenen Engagement der letzten Jahre. Das Vertrauen zum Eigentümer war schwer erschüttert.

 

Wo findet sich die Lösung?

Nach Vorgesprächen mit dem Eigentümer, Herrn Weber, Herrn Küster und dem Team begann unser Workshop. Es zeigte sich eine unversöhnliche Position beider Fronten und viele Missverständnisse. Jeder der Anwesenden markierte mit einem Punkt am Flipchart seine Position zwischen „Ich sehe eine Lösung nur noch in der Trennung“ und „Kein Problem, wir kriegen das in den Griff“ am anderen Ende der Skala. Drei Viertel hatten die Trennung markiert. Das Zerwürfnis war offensichtlich und verhärtet.  

 

Wir führten die Teilnehmer in eine kurze Übung, in der sich jeder sammeln, bei sich ankommen und den Geist für eine - wenn auch nur für diese Sitzung - wertschätzende Kommunikation öffnen konnte.

 

Vertrauen ist wertvoll, aber scheu

Herr Weber ließ die letzten Monate Revue passieren. Zum ersten Mal legte er seine Ziele offen auf den Tisch. Die Mitarbeiter pendelten zwischen altem Misstrauen und einer ersten möglichen Erleichterung hin und her. Zumindest sollte die Firma nicht geschlossen werden. Doch es war spürbar, so leicht war das zerbrochene Vertrauen nicht wiederherzustellen. Vertrauen kann man nicht verordnen.

 

Als ersten Schritt zum Verstehen der Reaktion der anderen Seite, lernte jetzt jeder, sich in andere hineinzuversetzen. Herr Küster verabredete sich mit jedem Mitarbeiter, um einen Einblick in dessen Aufgabenbereich zu bekommen. Entscheidungsspielräume sollen aus der jetzigen Situation heraus festgelegt werden. Um Missverständnisse zu vermeiden, wurde als wichtigster Satz vereinbart: „Wie meinst Du das?“.

 

Ein erster vorsichtiger Anfang war erreicht. Die Schlussrunde zeigt, wie fragil er war. Achtsamkeit ist notwendig, um Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden und Herr Küster wäre gut beraten, seinen Führungsstil zu überdenken.  Vertrauen entsteht erst aus einer verlässlichen und offenen Kommunikation und nicht durch eine autoritäre Anweisungskultur. Innere Haltungen prägen den Arbeitsalltag.

 

Ein Führungsstil mit Zukunft

Herr Urban ist es gelungen, das Team aus sich heraus zu motivieren. Die Idee und ein gemeinsames Ziel wurden Motoren für das gemeinsame Engagement. Die Mitarbeiter bestimmten ihre Einzelhandlungen selbst und richteten diese am gemeinsamen Ziel aus. Herr Küster ging davon aus, dass Anweisung und Kontrolle den Unternehmenserfolg sichern. 

 

Autoritäre Führung war in der Industriegesellschaft ein Erfolgsmodell. In unserer heutigen Kommunikations- und Wissensgesellschaft wirkt es wie ein Relikt aus der Vergangenheit.  In einer Welt, in der sich Rahmenbedingungen beständig ändern und die Komplexität wächst, ist Kreativität der notwendige Rohstoff . Unter Druck kann sich Kreativität nicht entwickeln. Veränderte Rahmenbedingungen verlangen veränderte Führung. Veränderte Führung entsteht aus einer veränderten inneren Haltung aller Beteiligten.

 

Anke Schmietainski

 


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Empathie, Unternehmenskultur, Arbeitswelt, Lebensstil

Je früher Sie in Ihrer „Lebenskarriere“ die benannten Dinge – Gemeinschaft, Bindung und Vertrauen - erreichen oder leben können, desto sicherer haben Sie sich für ein erfolgreiches und erfülltes Leben entschieden. Vielleicht fängt Ihr Kopf jetzt gerade an zu rechnen und fragt sich: „und woher kommt dann der Erfolg?“

Diese Frage beantworten wir Ihnen gern: Erfolg ist ein „Nebenprodukt“. Wovon?  Von einer empathischen Arbeits-, Unternehmens- und Lebenskultur. Natürlich braucht es eine Ausrichtung oder Orientierung, ein Ziel, das Erkennen vorhandener Fähigkeiten und deren Zusammenführung. Doch das ist überaus einfach, denn es entspricht der Biologie des Menschen.

 

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